März - Ein Tornado am Taktstock (Konzertbericht)

Presseartikel aus den Westfälischen Nachrichten vom 31.03.2014 über das Frühjahrskonzert der BMV

Nottuln - Ein beeindruckendes Konzert erlebten die Zuhörer in der Nottulner Mehrzweckhalle. Die Blasmusikvereinigung Nottuln und der Frauenchor Anchora konzertierten „Zurück in die Zukunft“.

Stürmische Zeiten bei den Bläsern: Martin Schlömer navigierte die Musiker gleich beim Eröffnungsstück „Beyond The Breaking Tides“ durch die tosende Brandung, führte sie hernach durch Galaxien („Captain Future Suite“, übrigens eine Welturaufführung in Nottuln) und preschte mit dem großen Ensemble durch Asiens Prärie („Beautyful Evening of Prairie“). Der Dirigent hielt die Klang-Fregatte auf Kurs, denn Schlömer erwies sich beim Frühlingskonzert der Blasmusikvereinigung (BMV) Nottuln als sicherer Steuermann mit einer Crew, die am Samstag in der Mehrzweckhalle des Gymnasiums alle Klippen umschiffte.

Die Rolle auf der Kommandobrücke hatte Schlömer im vorigen Herbst von Heinz Schaffeld – auch er wurde im Publikum mit Applaus bedacht – übernommen. Die Nottulner erlebten einen Tornado am Taktstock und genossen ebenso die gefühlvolle Fahrt durch ruhigere Gewässer. Das Konzertmotto „Zurück in die Zukunft“ wurde gleich in mehrfacher Hinsicht erfüllt: Mit der Filmmusik der gleichnamigen Trilogie aus den 80er-Jahren, mit der Zeitenwende beim Dirigat der BMV und mit Blick auf die jüngere Generation.

Die vereinigt sich im Jugendorchester der Blasmusikvereinigung. „Ihr seid unsere Zukunft“, betonte Moderator Michael Denter. Dem Nachwuchs fächerte er zu Recht Mut zu: Denn sie bringen zwar Talent und Leidenschaft, aber nicht alle schon Routine mit. Dazu gehörte der zehnjährige Gabriel, Jüngster unter den BMV-Akteuren, der mit seinem Tenorhorn mit Lampenfieber in die Premiere ging. Für Benno, mit 75 Jahren ältester Kollege im Ensemble, ist die Blasmusik „pures Lebenselixier“. Zum Glück hat er es geschafft, sein Waldhorn, das ausgerechnet am Tag des Auftrittes kaputt ging, reparieren zu lassen. Rechtzeitig, um auf den „Schlachtruf“ seines Vorsitzenden hin gemeinsam mit dem gesamten Orchester den Probenraum zu verlassen und in die Halle einzumarschieren. Dass Jung und Alt gemeinsam auf der Bühne standen, hob auch Bürgermeister Peter Amadeus Schneider bei der Begrüßung hervor.

Mit „Chariots of Fire“ (Vangelis) stieg das Jugendorchester ambitioniert in seinen Part des Konzertprogramms ein.

Glänzende Kontrapunkte setzte der Anchora-Chor unter der Leitung von Andreas Warschkow. Die entspannt-virtuosen Damen verkörperten Sangesfreude pur und schlugen mit der richtigen Dosis Choreografie einen Bogen vom Adele-Hit „Set Fire to the Rain“ über Ina Müller („Drei Männer her“) bis „Jar of Hearts“ (Christina Perry).

Erst nach drei Stunden und zwei Zugaben legte sich der Sturm in der spröden Halle, die dank Lichtshow, Dias und von den Musikern selbst gestalteter Weltraum-Deko aufgepeppt wurde. Die sieben stilistischen Weltmeere, die durchsegelt wurden, umfassten bis dahin Abstecher in orientalische Gefilde (Rikudim von J. Van der Roost) und epische Passagen bei den „Legenden of Zelda“, die unter Anwesenheit des Komponisten K. Kondo uraufgeführt wurden. Das gemeinsame Finale: Chor und Instrumentalisten interpretierten „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“. Dort landete das beseelte Publikum nicht, aber es labte sich an Gänsehaut-Momenten und spendete donnernden Applaus.

Von Maike Harhues, WN

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