Oktober: BMV in Berlin – eine Stadt voller Geschichte

Nottuln/Berlin - Auf Einladung von MdB Karl Schiewerling besuchten Mitglieder von Blasmusikvereinigung und Bürgerbus-Verein die Bundeshauptstadt Berlin. Im Bundesverteidigungsministerium erlebten die Nottulner die wohl schärfsten Sicherheitsbestimmungen ihres Lebens.

Wenn einer eine Reise tut, kann er viel erzählen. Wenn aber – wie in dieser Woche – gleich 50 Männer und Frauen eine Reise tun, dann brummt sogar der Bär. In diesem Fall der „Berliner Bär“. Und der war den Gästen aus dem Münsterland, den Mitgliedern der Nottulner Blasmusikvereinigung (BMV) und den Mitgliedern des Bürgerbus-Vereins Baumberge (Nottuln/Havixbeck) – sehr gesonnen.

Vier Tage lang war die Gruppe in der Bundeshauptstadt Berlin. Es war sicher eine der letzten großen Gruppenreisen, organisiert vom Bundespresseamt (BPA), die es dem Nottulner Bundestagsabgeordneten Karl Schiewerling ermöglichte, Bürgerinnen und Bürger aus dem Münsterland mit der Abgeordnetenarbeit in der Bundeshauptstadt zu konfrontieren. So freute er sich: „Dass ich ausgerechnet jetzt noch einmal eine Reisegruppe mit Menschen begrüßen darf, denen es selbst Freude bereitet, andere mit Musik zu erfreuen, und mit Ehrenamtlichen, die sich zum Nutzen ihrer Mitmenschen in den Dienst stellen, ist schon toll.“

Ein dicht gepacktes Besuchsprogramm brachte die Gäste aus den Baumbergen mit dem wechselvollen Schicksal Berlins in Berührung. Thematisch war nahezu alles dabei: von den kurfürstlichen Glanzzeiten in Potsdam, über die menschenverachtenden Gräueltaten der Nazis bis zu den fatalen Auswirkungen der DDR-Herrschaft. Nirgendwo anders als in Berlin trifft man auf diese historische Dichte.

Überall, wo sie auftraten, wurden die Nottulner herzlich aufgenommen, prächtig unterhalten und köstlich bewirtet. So fragte schon der Gästeführer beim Besuch im Plenarsaal des Bundestages die Menge: „Wo sitzen denn die Blasmusiker? Oder besser: Wo haben sie denn ihre Instrumente?“ Nun die hatten nicht ins Gepäckfach des Reisebusses gepasst.

Wenig später im Verteidigungsministerium (BMV) erinnerten sich die Nottulner Musiker belustigt daran, dass ihnen ausgerechnet dieses Ministerium seinerzeit die Web-Seite „BMV“ wegen Eigennutzung gestrichen hatte.

Was beim Verteidigungsministerium besonders auffiel, waren die sehr scharfen Sicherheitsmaßnahmen. So mussten nicht nur Taschen und Jacken abgegeben werden, sondern selbst Hosengürtel und Geldbörsen mussten die Röntgen-Scanner durchlaufen. Terrorangst. Selbst der allgegenwärtige Berliner Bär an der Wache trug Bundeswehrtarnfarben im Pelz.

Vergnügen verbreitete der vom Bundespresseamt bestellte Reiseführer Marcel. Denn während die Spitze vom „Alex“ die meiste Zeit die tiefhängenden Regenwolken kitzelte, redete sich der „Junge vom Prenzlauer Berg“ mit seiner typischen Berliner Kodderschnauze schnell in die Herzen der Münsterländer. Vor einer der in Berlin allgegenwärtigen Baustellen meinte er: „Komisch. Hier war doch die polnische Botschaft. Wo habn‘se die denn hinjebracht?“ Und beim zu DDR-Zeiten benutzten „Haus der Statistik“ spöttelte er: „Wofür die det mal jebraucht haben, wees ick och nicht.“

Ansonsten aber erfuhren die Nottulner so ziemlich alles. Bestaunten die bunt besprayten Mauerreste. Sahen vor Ort den bezaubernden Wechsel des einstmals verrufenen Kreuzbergs zu einem heute multikulturellen „In“- Wohngebiet, wo inzwischen 184 Nationen Wohnungen bezogen haben. Die dagegen immer noch hässlichen, kilometerlangen Fronten der Plattenbauten erklärte der Stadtführer als ‚kategorisches‘ Wunschdenkmal der DDR-Gewaltigen. „Wenn de Jenossen sagten: det is schön, hatte det schön zu sein!“ Und unverkennbar sarkastisch: „Berlin hat viele Füchse. Wenn se letzte Nach keenen überfahr‘n haben, sojar noch 2300 Stück. Aber auch 7000 Obdachlose. Deprimierend.“

Die defekte Schuldenuhr am Haus des „Bundes der Steuerzahler“ stimmte ihn dann wieder fröhlich: „Endlich ist Deutschland schuldenfrei. Die schreiben schwarze Zahlen. Toll was?“

Die kurfürstliche Pracht in Potsdam und der sozialistische „Alltag in der DDR“ im Museum der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg sorgten für ein echtes Kontrastprogramm. Für Nachdenklichkeit sorgte auch der fast schon desillusionierende Einblick in den durchschnittlichen 14-Stunden-Arbeitstag des Nottulner Bundestagsabgeordneten. Karl Schiewerling, der auch arbeits- und sozialpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist, war am Vorabend noch in Coesfeld gewesen. Am nächsten Vormittag wieder zurück im Berliner Büro, empfing der die Gäste aus Baumbergen. Am gleichen Abend dann wieder zurück zu einem Termin in Dülmen.

Niemand mochte mit ihm tauschen wollen. Einhelliges Kopfschütteln: „Einmal Berlin – schön! Aber auch nur ohne eigenen Wagen. Denn Parkplätze sind selten.“ So verstanden die Münsterländer auch, warum ihr Bundestagsabgeordneter immer mit dem Fahrrad zu den Sitzungen ins Plenum fährt. Aber nicht mehr lange. Im Herbst 2017 endet die Abgeordnetentätigkeit von Karl Schiewerling.

Wieder ganz zurück in Nottuln, wollen ihm die Blasmusiker ein privates Konzert geben: „Als kleines Dankeschön für diese Reise.“

Von Dieter Klein, WN

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